Best-Practice-Beispiele ohne Ende

Bisher arbeiten nur rund 12 Prozent der Führungskräfte in Deutschland in Teilzeit, ergab 2019 eine Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Das könnte sich bald ändern. Ob Beiersdorf, EWE, KfW, Commerzbank oder Datev, immer mehr Unternehmen bieten ihren leitenden Mitarbeitern Führen in Teilzeit und Tandem-Führung an und werben offensiv mit diesen attraktiven Arbeitszeitmodellen.

Beispiele gefällig:

Der Oldenburger Energieversorger EWE, der mehr als 8.500 Mitarbeitende beschäf­tigt, sind 60 Prozent der hochqualifizierten Frauen in Teilzeit beschäftigt, darunter auch etliche als Gruppenleiterinnen. Ihre Arbeitszeit können sie sich individu­ell einteilen. Es gibt Modelle von 20 bis 35 Stunden. Manche haben freie Zeiten oder Tage vereinbart, andere organisieren sich in Absprache mit ihrem Team flexibel, wieder andere erarbeiten sich zusätzliche Urlaubstage.

Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf etwa schreibt seit 2010 alle Stellen am Hauptsitz in Hamburg auch als Tandem-Posi­tionen aus. Aktuell sind bei den Hanseaten 27 Tandems bereichsübergreifend im Einsatz, 17 davon mit Personalverantwortung. Mehr über diese Modelle:

https://www.cio.de/a/beiersdorf-und-ewe-setzen-auf-flexible-karrieremodelle,3658364

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es bereits 15 Tandems in den Chefetagen und die Commerzbank bietet schon lange Doppelspitzen und Leitungspositionen in Teilzeit an. Gelesen bei: 

Teilzeit-Chefinnen – mehr Frauen an der Spitze auch ohne Quote | hessenschau.de | Wirtschafthttps://www.hessenschau.de/wirtschaft/teilzeit-chefinnen—mehr-frauen-an-der-spitze-auch-ohne-quote,fuehrungskraefte-teilzeit-chefinnen-100.html

Das geht auch bei Männern: Stefan Bergner (46), Abteilungsleiter für Datenbanken beim Nürnberger IT-Dienstleister Datev, führt seit Jahren eine Abteilung mit 56 Personen in Teilzeit. Oder Heiko Hambrock (49), Geschäftsführer beim niedersächsischen Elektromobilitätsunternehmen EWE Go. Er führt ein Team von bis zu 60 Kollegen. Mehr dazu:

„Work-Life-Blending“: Wie Führungskräfte auch in Teilzeit Karriere machen – Business Insiderhttps://www.businessinsider.de/karriere/work-life-blending-fuehrungskraefte-sollten-in-teilzeit-die-gleichen-karriereschritte-moeglich-sein-wie-in-vollzeit-sagt-eine-expertin-a/

Faktisch gibt es keinen Grund, Führen in Teilzeit und Tandem-Führung nicht zuzulassen. Außer dem, dass man es sich nicht vorstellen kann, wie diese Modelle funktionieren sollen. Bei guter Vorbereitung und disziplinierter Durchführung klappt beides wunderbar.

Die oben genannten Beispiele belegen diese Behauptung einmal mehr! ;-))

Teilzeit ist auch für Führungskräfte möglich

Viele Führungskräfte haben wenig Zeit für Familie, Freunde oder ein Hobby. Doch auch verantwortungsvolle Posten sind mit reduzierter Stundenzahl möglich.

Der Wettbewerb um gute Fach- und Führungskräfte bringt viele Unternehmen dazu, flexible und familienfreundliche Arbeitsmodelle anzubieten: 

Geschäftsführer Heiko Hambrock, der beim niedersächsischen Elektromobilitätsunternehmen EWE Go ein Team von bis zu 60 Menschen führt, hat seine Arbeitszeit um 20 Prozent reduziert. Elena Hoberg, die das Privatkundenmarketing beim Telekommunikationsunternehmen EWE Tel leitet, arbeitet 28 Stunden pro Woche – verteilt je nach Bedarf.

Das Oldenburger Energie- und Telekommunikationskonzern EWE hält Führen in Teilzeit für zukunftsweisend und schreibt seit Dezember alle Führungspositionen teilzeitgeeignet aus – möglich sind Wochen-, Monats-, Jahres- und flexible Teilzeit. Beim Autobauer Volkswagen ist es grundsätzlich möglich, auf allen Managementebenen in Teilzeit zu arbeiten.

Diese Best-Practice-Beispiele und Hintergrundinformationen finden Sie hier:

https://www.channelpartner.de/a/teilzeit-ist-auch-fuer-fuehrungskraefte-moeglich,3655556

Beitrag vom 05.03.2021

Befragung von Kommunalverwaltungen zeigt: Vereinbarkeit ist Trumpf beim Recruiting

Kommunen werden bis 2030 zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Beschäftigten in den Ruhestand verabschieden und rechnen mit wachsenden Problemen bei der Stellenbesetzung. Das ist ein Ergebnis unseres berufundfamilie Scouts „Stadtgespräch Vereinbarkeit“.

Die Umfrage wurde vom 02.11. bis 04.12.2020 online durchgeführt. Zwölf Kommunalverwaltungen (Bezirke, Gemeinden, Kreise, Landkreise, Städte) lieferten Antworten rund um den Stellenwert einer nachhaltigen Vereinbarkeitspolitik für das Employer Branding kommunaler Arbeitgeber.

Hier die Highlight-Ergebnisse:

• 75 % der auditierten Kommunalverwaltungen rechnen damit, dass sich in den kommenden fünf Jahren die Probleme bei der Stellenbesetzung verschärfen werden – sofern sich die Rahmenbedingungen und Anreize nicht verändern.

• 91,7 % finden Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben bei der Werbung von Fachkräften besonders wichtig. Das ist damit die Top-Antwort.

• 100 % der zertifizierten Kommunalverwaltungen stufen Maßnahmen zur Vereinbarkeit für die Bindung von Personal als sehr wichtig (25 %) oder wichtig (75 %) ein.

• 58,4 % der befragten Kommunen werden in Bewerbungsgesprächen auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben häufig (41,7 %) bis sehr häufig (16,7 %) angesprochen. Keiner der Kommunen berichtet, dass Bewerber*innen die Vereinbarkeit überhaupt nicht thematisieren.

• 83,3 % berichten, dass die Nachfrage nach Vereinbarkeitslösungen durch ihre Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Bei keinem ist sie gesunken.

• 75 % der zertifizierten Arbeitgeber aus der Branche Kommunen schätzt, dass die Nachfrage nach Vereinbarkeitslösungen bei den Beschäftigten in den kommenden fünf Jahren steigen wird. Jede vierte Kommunalverwaltung geht davon aus, dass die Nachfrage in etwa so hoch bleiben wird wie sie momentan ist. Keine der Kommunen ist der Meinung, dass die Nachfrage sinken wird.

• 91,6 % der auditierten Kommunalverwaltungen stufen die strategische familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik als wichtig (58,3 %) bis sehr wichtig (33,3 %), um die Produktivität in der Coronapandemie aufrecht zu erhalten. Keine der Kommunen hat diese als unwichtig erlebt.

Die Präsentation der Ergebnisse finden Sie hier: https://www.berufundfamilie.de/images/dokumente/PraesentationExcerpt_bfSScout_StadtgespraechVereinbarkeit_Kommunen_Dez2020.pdf

In Spanien steht Vätern seit Januar genauso viel Elternzeit zu wie Müttern

– mit der Besonderheit, dass die Zeit nicht auf die Mütter übertragbar ist. Damit sollen die Väter animiert werden, sich zu kümmern. Ob das klappen kann?

Seit 1. Januar 2021 haben Väter in Spanien Anspruch auf eine ebenso lange Elternzeit wie Mütter, nämlich 16 Wochen. Und nicht nur das: Die ersten sechs Wochen Elternzeit unmittelbar nach der Geburt sind für die Väter sogar obligatorisch. Zudem erhalten beide Eltern vollen Lohnausgleich. Das Gesetz der spanischen Gleichstellungsministerin Irene Montero, das bereits unter ihrer Vorgängerin beschlossen wurde, ist ehrgeizig.

Es gibt keine Musterlösung, um eine egalitäre Erziehung zu begünstigen, aber durchaus Punkte, über die man in Deutschland nachdenken sollte.“

Ein interessanter Beitrag von Karin Janker und Hannah Wilhelm, in der Süddeutschen Zeitung vom 18.01.2021:

Meine Zeit, deine Zeit, Elternzeit – Wirtschaft – SZ.de (sueddeutsche.de)

Führen in Teilzeit und im Tandem: Bei der KfW funktioniert das prima

Das Online-Magazin FinanzBusiness veröffentlichte am 30.09.2020 diesen Artikel mit Auszügen aus einem Interview mit mir:

„Führung in Teilzeit verlangt Bankern nicht nur mehr Kommunikation ab, sondern vor allem eine neue Organisation: „Reduziert sich die Arbeitszeit, muss sich auch der Arbeitsumfang verringern. Anders geht das nicht“, stellt die Expertin klar. Will sagen: Banker, die auf Teilzeit wechseln, können nicht einfach weitermachen wie zuvor. Teilzeitkräfte müssen loslassen können Wer keinen Tandempartner an seiner Seite hat, kann im eigenen Team Zuständigkeiten verteilen „Ich rate Teilzeitführungskräften, wann immer das sinnvoll erscheint, Tätigkeiten zu delegieren“, sagt Führungscoach Abrell. „Eine Aufgabenanalyse hilft, die Fach- von den
Führungsaufgaben zu trennen und zu entscheiden, welche Tätigkeiten unbedingt von der Führungskraft selbst erledigt werden müssen.“

Abonnenten finden den kompletten Text hier:

https://finanzbusiness.de/nachrichten/karriere/article12447562.ece

Die Besten, bitte: Wie der öffentliche Sektor als Arbeitgeber punkten kann

Aus einer Studie von McKinsey zur Führungskräfterekrutierung und -entwicklung im öffentlichen Sektor:

„Bis 2030 wird mehr als jeder dritte Beschäftigte im öffentlichen Dienst in Rente gehen. Da es in Behörden zugleich an Nachwuchs mangelt, wird unserer Prognose zufolge bis zum Jahr 2030 eine Personallücke von ca. 731.000 Beschäftigten entstehen.“

„Unsere Umfrage zeigt, dass der öffentliche Sektor bereits heute Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von talentierten Nachwuchskräften hat: Insgesamt 90% der befragten Führungskräfte schätzen die Rekrutierung und Entwicklung von Nachwuchsführungskräften als herausfordernd ein, nur 10% sind aktuell durchweg erfolgreich(). Jeder dritte Befragte räumt ein, dass mittlerweile knapp 50% der Bewerber, die von ihrer Organisation ein Angebot erhalten, dieses ablehnen. 77% der Befragten berichten, dass die besten Studierenden eines
Jahrgangs nur selten oder nie in ihrer Organisation anfangen.“

„Für die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Sektors sind das alarmierende Zahlen. Denn gerade die Nachwuchsführungskräfte sind der Umsetzungsmuskel“ des öffentlichen Sektors. Gibt es auf mittlerer Führungsebene nicht genügend erfahrene Mitarbeiter mit der
notwendigen Qualität, läuft Deutschland Gefahr, entscheidende Zukunftsfragen etwa bei Digitalisierung und Klimaschutz unbeantwortet zu lassen.“

„Öffentlicher Sektor? Nein, danke! – Warum der Sektor Nachwuchsprobleme hat:

Von ihrem zukünftigen Arbeitgeber erwarten Studierende vor allem, Familie und Beruf vereinbaren zu können. Auf den Plätzen zwei und drei der Wunschliste stehen die Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Nutzen der Arbeit für die Allgemeinheit – eigentlich das Wertversprechen des öffentlichen Sektors. Man würde also erwarten, dass der öffentliche Sektor
gerade bei diesen Themen in der Wahrnehmung der Studierenden deutlich besser als die Privatwirtschaft abschneidet. Doch die Studierenden sehen das anders.“

„Der öffentliche Sektor kann und sollte daher versuchen, sich gezielt bei anderen Faktoren als dem Gehalt zu profilieren, um so bei den Besten zu punkten.“

„Mit 6 Initiativen kann die Rekrutierung und Entwicklung von Nachwuchsführungskräften im öffentlichen Sektor unmittelbar gestärkt werden:

Platz 1: Das Wertversprechen eines Ministeriums oder einer Behörde muss deutlich machen, welche besonderen Vorteile es hat, im öffentlichen Sektor
statt in der Privatwirtschaft zu arbeiten (z.B. sicherer Arbeitsplatz, Nutzen der Arbeit für die Allgemeinheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie). …“

und

„Nicht zuletzt gehört zu einem innovativen Arbeitsumfeld, seinen Nachwuchskräften flexibles Arbeiten zu ermöglichen – von Teilzeit über Arbeitsplatzteilung bis hin zur Heimarbeit. Bestehende Barrieren wie das Fehlen eines Diensthandys oder komplizierte Verfahren zur Genehmigung von Heimarbeit müssen abgebaut werden, damit diese Angebote tatsächlich
genutzt werden können.“

Die Studie von McKinsey aus 2019 finden Sie hier: werden.https://www.mckinsey.de/~/media/mckinsey/locations/europe%20and%20middle%20east/deutschland/news/presse/2019/2019-04-03%20die%20besten%20bitte/20190402_die%20besten%20bitte_studie%20fachkrftemangel%20ffentlicher%20sektor.ashx

Experiment im Auswärtigen Amt: Ehepaar wird Botschafter

Ein wunderbares Beispiel für mein Motto: Und es geht doch!!!!

Unter Tagesschau.de Nachrichten vom 07.06.2020 habe ich diesen Beitrag von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio, gefunden:

Jobsharing im diplomatischen Dienst: Zum ersten Mal wird ein Ehepaar gemeinsam als deutsche Botschafter nach Slowenien entsandt. Das Auswärtige Amt wird moderner – auch, weil es muss.

Natalie Kauther und Adrian Pollmann, 45 und 43 Jahre alt, teilen sich ab August die Botschafter-Stelle in Slowenien. Sie werden sich etwa alle acht Monate ablösen.

Ich wünsche ihnen viel Erfolg!!! Den gesamten Artikel finden Sie hier:

https://www.tagesschau.de/inland/botschafterehepaar-103.html?utm_campaign=Newsletter%20Marketing&utm_medium=email&_hsmi=89841239&_hsenc=p2ANqtz-_Vp5fGokC0_fFFmmKWHd1Nnp3gvjE2-g0Ir4p9QYuys3lVP5wqpYBl_3k0P3N8VIs8hplce5S9IwrTGGn5er4XsY-7SjfKsF9Bitwf2R0xQBoCT_0&utm_content=89841239&utm_source=hs_emailaching

Webinar mit Business-Coach und Beraterin Brigitte Abrell

10. Juni 2020, „Führen in Teilzeit: 100-Prozent-Plus war gestern!“

Kann jede Führungskraft in Teilzeit führen? Was sind die Voraussetzungen für Führung in Teilzeit? Wo liegen die besonderen Herausforderungen? Beim Webinar am 10. Juni 2020 gibt Business-Coach und Beraterin Brigitte Abrell Antworten auf diese Fragen und zeigt: Führen in Teilzeit ist möglich!

Weitere Informationen und Anmeldung:

https://www.spitzenfrauen-bw.de/karrierewissen/webinare/

Webinar „Führen in Teilzeit“

Datum/Uhrzeit: 25.06.2020 / 09:30 – 10:30

Sie möchten ihr kleines oder mittleres Unternehmen zukünftig in Teilzeit führen? Tipps zur Umsetzung gibt es am Donnerstag, 25. Juni 2020, von 9.30 bis 10.30 Uhr im kostenfreien Webinar „Führen in Teilzeit“. Nach einer kurzen Einführung informiert Beraterin und Buchautorin Brigitte Abrell – selbst langjährige Führungskraft in Teilzeit – darüber, welche Voraussetzungen ein Betrieb für das Modell „Führen in Teilzeit“ mitbringen muss. Darüber hinaus stellt die Expertin die Vorteile von Führen in Teilzeit vor und gibt Tipps zur Umsetzung. Brigitte Abrell zeigt zudem auf, welche persönlichen Qualifikationen ausschlaggebend sind, um diese Art der Führung zu leben.

Veranstalterin des Webinars ist das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bonn/Rhein-Sieg. Eine Anmeldung ist bis Dienstag, 23. Juni 2020, per E-Mail an info@kompetenzzentrum-frau-beruf.de möglich.