Cawa Younosi, Head of HR Germany SAP SE, möchte Führung in Teilzeit zur Normalität machen.

Wer länger arbeitet als die Kollegen, leistet mehr und macht Karriere – dieses Denken entspricht nicht mehr den heutigen Wertvorstellungen, meint Cawa Younosi, Head of Human Resources und Mitglied der Geschäftsführung von SAP Deutschland. In einem bemerkenswerten Interview mit Haufe Online vom 05.11.2019 spricht er über HR-Instrumente, die ein neues Verhältnis zur Arbeitszeit prägen können: https://www.haufe.de/personal/hr-management/wertewandel-bei-der-arbeitszeit-interview-mit-cawa-younosi_80_503324.html
Auszüge daraus:
„Haufe Online Redaktion: Sie schreiben alle Führungspositionen generell in Teilzeit aus. Wie kam es dazu?

Younosi: Uns geht es darum, dass wir Mitarbeitern in der jeweiligen Lebensphase ein Angebot unterbreiten, Privatleben und Job zu vereinbaren und sich nicht zwischen einem von beiden entscheiden zu müssen. Das Thema Führung in Teilzeit kam bei uns auf, da wir Gender-Diversity in Deutschland vorantreiben möchten. Die Mehrheit der Teilzeitler sind nach wie vor Frauen, auch bei uns. Deshalb sind wir vor drei Jahren davon abgekommen, dass Führung in Teilzeit auf Einzelfallebene ausgehandelt werden muss. Wir sind der Überzeugung gefolgt, dass wir nur einen „Mind Change“ erreichen, wenn wir die Regeln auf den Kopf stellen: nämlich die Führung in Teilzeit zur Normalität machen und die Führung in Vollzeit optional anbieten.“

„Co-Leadership als Alternative oder in Ergänzung zur Teilzeit

Younosi: Wir schreiben Führungspositionen in Teilzeit zu 75 Prozent aus, wenn man die Stelle alleine machen möchte. Es besteht aber auch die Möglichkeit zum Co-Leadership. Da sind verschiedene Konstellationen von 30-70, 50-50 oder 100-50 möglich. Inzwischen haben wir mehr als zehn verschiedene Modelle und ein Tool von Tandemploy eingeführt, um leichter einen Tandempartner zu finden. Seit März dieses Jahres haben sich rund 3.000 Kolleginnen und Kollegen registriert……“

„Haufe Online Redaktion: Wie hoch ist der Anteil von Teilzeit im Vergleich zu Vollzeit?

Younosi: Die Teilzeitquote in Deutschland liegt insgesamt bei etwa einem Prozent, weltweit sind es 0,3 Prozent. Das ist eine Minderheit, aber das ist auch okay. Wir möchten die Menschen nicht missionieren und in Teilzeit treiben. Interessant ist aber: Die Erfahrung zeigt jetzt nach zweieinhalb Jahren, dass Führen in Teilzeit nicht nur für Frauen interessant ist, sondern auch für Männer. Der Männeranteil beträgt bei SAP mittlerweile knapp 43 Prozent. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist also kein Geschlechter-Thema, sondern ein Zeitgeist-Thema. Die Werte haben sich verschoben – in unterschiedlicher Intensität und Ausprägung, aber über alle Generationen, Schichten, Regionen und Branchen hinweg.“

 

„Wir mussten uns immer wieder anhören, dass wir etwas mit dem Professor hätten“

Und es gibt sie doch: Frauen, die aus einer Teilzeittätigkeit heraus Karriere machen!!!

In diesem beeindruckenden Bericht im https://www.spiegel.de/karriere/mint-berufe-wir-frauen-stehen-uns-oft-selbst-im-weg-das-muss-sich-aendern-a-1282157.html  geht es um Tanja Hochschild, die als Frau mit drei Kindern in einem MINT-Beruf eine steile Karriere hingelegt hat. Zu ihrem Karrierestart aus der Teilzeit heraus berichtet sie:

„Rückblickend finde ich: Es gab auch immer wieder Männer, die mich sehr unterstützt haben. Mein früherer Vorgesetzter hat mir zum Beispiel ermöglicht, Führungsverantwortung zu übernehmen. Ich hätte das für mich zu der Zeit überhaupt nicht in Erwägung gezogen – als einzige Frau und einzige Teilzeitarbeitende in der Abteilung. Aber er hat mir das zugetraut und mich gepusht – das war der Startpunkt meiner Karriere. “

Herzlichen Glückwunsch dazu und weiterhin viel Erfolg! Sie sind ein „Leuchtturm!“

Die Leiter der Polizeiinspektion Bern (männlich) arbeiten im Jobsharing!

Bei meinen Recherchen bin ich auf eine interessante Website in der Schweiz gestoßen:

http://www.go-for-jobsharing.ch/de/wer-sind-wir.html

„Die Webseite Go-for-jobsharing vermittelt durch praktische Instrumente Knowhow zur Umsetzung von Jobsharing- und Topsharing-Modellen auf mittlerer und höherer Management-Ebene für beide Geschlechter. 

Dort findet sich ein sehr interessantes Testmonial, das über die Besetzung des Leiters der Polizeiinspektion Bern im Jobsharing berichtet: https://vimeo.com/189543651

Das ist doch mal was!

 

 

Zahlen, Daten, Fakten, die für eine gelingende Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutsam sind

„Verschiedene gesellschaftliche Megatrends verändern unsere Arbeitswelt rasant. Dies sind zum Beispiel Arbeiten 4.0, Individualisierung, Mobilität, Diversität und Wertewandel. Dies bildet sich auch in den Aspekten ab, die für eine gelingende Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutsam sind. „

Der aktuelle Newsletter von Erfolgsfaktor Familie veröffentlicht ein paar Zahlen, die die genannten Trends untermauern:

„Die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren hat sich zwischen 2007 und 2016 mehr als verdoppelt und ist in dieser Zeit von 15,5 auf 32,7 Prozent gestiegen.

Während Väter unabhängig vom Alter ihrer Kinder zu einer annähernd gleichbleibend hohen Quote arbeiten, hängt die Erwerbsquote von Müttern vom Alter des jüngsten Kindes ab. 2010 arbeiteten Mütter mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren zu 57,7 Prozent und Väter zu 84,3 Prozent. 2016 waren es – ebenfalls mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren – bei Müttern dann 66,1 Prozent und bei Vätern 91,6 Prozent. 2016 arbeiteten davon 29,9 Prozent der Mütter in Vollzeit und 70,1 Prozent in Teilzeit. Väter arbeiteten zu 94,3 Prozent in Vollzeit und zu 5,7 Prozent in Teilzeit.

Die Homeoffice-Quote ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Während 2014 nur 22 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit boten, von zu Hause aus zu arbeiten, stieg diese Zahl 2016 auf 31 Prozent und 2018 auf 39 Prozent.

Die Zeitersparnis durch wegfallende Pendelzeiten beträgt durchschnittlich 4,5 Stunden pro Woche, die an erster Stelle der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zugutekommen. Väter arbeiten vor der Geburt ihres Kindes durchschnittlich zu 46 Prozent im Homeoffice und nach der Geburt eines Kindes zu 47 Prozent. Mütter arbeiten vor der Geburt des Kindes zu 27 Prozent im Homeoffice und nach der Geburt zu 72 Prozent.

All diese Entwicklungen berühren auch die Kultur in Unternehmen: Eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeigt: Die Selbstwahrnehmung von Beschäftigten und von Arbeitgebern in Bezug auf die eigene Kultur klafft teilweise auseinander.“

Der gesamte Beitrag ist nachzulesen unter:

https://www.erfolgsfaktor-familie.de/index.php?id=713

Bundesminister befördern kaum Frauen in Führungspositionen

Deutsche Ministerien haben bei der Frauenquote in Führungspositionen noch Nachholbedarf. Einige Ressorts stechen als besonders männerlastig hervor.“

berichtet das Handelsblatt, Artikel von Heike Anger vom 19.04.2019

Demnach müssen sich Deutsche Unternehmen auf drastische Sanktionen einstellen, wenn sie nicht genug Frauen in Führungspositionen bringen. Das ergibt sich laut Handelsblatt aus einem entsprechenden Gesetzentwurf, an dem Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesjustizministerin Katarina Barley derzeit arbeiten.

Doch auch in den Bundesbehörden und Ministerien „gibt es bei einigen erheblichen Nachholbedarf“, wird Ministerin Giffey jüngst im Handelsblatt-Interview zitiert. „Demnach liegt die Frauenquote im Schnitt bei 40 Prozent – allerdings mit starken Ausreißern nach unten.“

Die Grünen wollten von der Bundesregierung wissen, inwieweit diese Möglichkeiten plant, Konzepte zur Förderung von Job- oder Top-Sharing auch im öffentlichen Dienst zu etablieren und haben zur Antwort erhalten, dass die Bundesregierung gerade eine Bestandsaufnahme zum Führen in Teilzeit auswertet. „Anschließend sollen konkrete Maßnahmen zur Förderung des Führens in Teilzeit abgeleitet werden“, hieß es. Die Grünen-Wirtschaftsexpertin Andreae meint dazu: „Bald ist Halbzeit für die Groko und für dieses Gesetz gibt es nicht mal einen Zeitplan“,…. „da wird nicht mehr viel kommen.“

Wie schade. Den gesamten Artikel finden Sie hier: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/frauenquote-bundesminister-befoerdern-kaum-frauen-in-fuehrungspositionen/24236406.html?ticket=ST-1914161-b04fUd9mQ9dPbfYgvg1o-ap6

 

GenZ: Jung, dynamisch, vereinbarend

Was erwarten die zwischen 1995 und 2010 Geborenen von der zukünftigen Arbeitswelt und was sind sie bereit in ihren Job zu investieren? Welche Rolle spielt für sie die Vereinbarkeit? Diese Fragen ging die gemeinsame Untersuchung der berufundfamilie und des Campus M21 (Nürnberg) unter dem Titel „Generation Z und ihre Erwartungen an die Arbeitswelt“ an. Als Vorstudie – mit 42 Tiefeninterviews und der Online-Befragung von 177 Teilnehmenden – liefert sie erste Hinweise, die in einer repräsentativen Hauptstudie derzeit weiter verfolgt werden.

 

Besonders interessant finde ich das Handlungsfeld 1Arbeitzeit:

Bei der Frage, in welcher Situation sie sich vorstellen könnten, von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln, nennt die Generation Z die Pflege von Familienmitgliedern (79 % Zustimmung) – vor Kinderbetreuung (71 % Zustimmung) und finanzieller Unabhängigkeit (66 % Zustimmung). Immerhin ein Drittel der Digital Natives (33 % Zustimmung) würde ihre Arbeitszeit zugunsten von Freizeit reduzieren wollen.

 

Die gesamte Studie können Sie hier anfordern:

https://berufundfamilie.de/forms/33-jinbound-landing-pages/9-gen-z

Forschungsbericht Chancengleichheit am Arbeitsplatz vom Dezember 2018

Interessantes aus dem Bericht der Forschungskooperation des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS):

Der Bericht hebt sich von anderen Studien dadurch ab, dass neben den objektiven Faktoren auch die subjektive Einschätzung von Frauen und Männern hinsichtlich der am Arbeitsplatz erlebten Chancengleichheit und die Zufriedenheit mit dem Job und der Vergütung gegenüber gestellt werden.

Das Wichtigste in Kürze

•  Frauen nehmen seltener an Kursen der beruflichen Weiterbildung teil als Männer. Dies gilt vor allem für Teilzeitbeschäftigte. Frauen ohne Vorgesetztenfunktion bekommen
seltener ein entsprechendes Angebot des Arbeitgebers als Frauen mit Vorgesetztenfunktion. Frauen und Männer haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, anMitarbeitergesprächen teilzunehmen. Die Dauer der Gespräche ist bei teilzeitarbeitenden Frauen geringer als bei Männern.

• Frauen sind seltener in Führungspositionen als Männer. Der Unterschied ist fürTeilzeitbeschäftigte fast doppelt so hoch wie für Vollzeitbeschäftigte. Teilzeitbeschäftigte Frauen sowie Frauen ohne Vorgesetztenfunktion fühlen sich von ihrem Arbeitgeber weniger gefördert als Männer.
• Frauen in Vollzeit und mit Vorgesetztenfunktion nehmen formelle Regeln und Prozeduren zur Entscheidungsfindung im Vergleich zu teilzeitarbeitenden Frauen und vollzeitarbeitenden Männern bzw. Männern mit Vorgesetztenfunktion als ungerechter
wahr. Teilzeitbeschäftigte Frauen fühlen sich etwas gerechter von ihrem direkten Vorgesetzten behandelt als vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer.Frauen und Männer unterscheiden sich nicht in ihrer Zufriedenheit mit der Arbeit allgemein und ihrem Gehalt im Speziellen.
• Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist im Durchschnitt um 7 Prozent geringer als der Anteil von Frauen an allen Beschäftigten.
• Knapp 23 Prozent der Betriebe verfolgen 2014 das Ziel, den Anteil von Frauen inFührungspositionen zu erhöhen. Im Jahr 2012 waren es noch 26 Prozent. Branchen unterscheiden sich nur wenig in Bezug auf das Ziel, den Anteil von Frauen in Führungspositionen
zu erhöhen. 71 Prozent der Betriebe mit weniger als 100 Beschäftigten
verfolgen das Ziel weder in 2012 noch in 2014. Knapp 40 Prozent der großen Betriebe verfolgen das Ziel in beiden Jahren.
• Über 40 Prozent der Betriebe geben an, dass sie Führungspositionen ausschließlich nach Qualifikation besetzen. Flexible Arbeitszeiten, Teilzeit für Führungskräfte und spezielle Weiterbildungen sind 2014 die häufigsten Maßnahmen der Frauenförderung.“

Den gesamten Artikel finden Sie hier: https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/60825/ssoar-2018-steffes_et_al-Chancengleichheit_am_Arbeitsplatz.pdf?sequence=1